Das Saatgut der meisten Gehölzarten, sowie vieler Stauden der gemäßigten Zone unterliegt einer sogenannten Keimhemmung. Diese sorgt dafür, dass das im Herbst ausgereifte Saatgut nicht unmittelbar, sondern erst im darauffolgenden Frühjahr beginnt zu keimen, wodurch die bestmöglichen Wachstumsbedingungen sichergestellt sind. Biochemisch betrachtet durchläuft das Saatgut während des Winters einen hormonellen Prozess, welcher die keimhemmenden Substanzen im Korn abbaut. Zusätzlich wird die oftmals sehr harte Samenschale aufgeweicht. Dieser Prozess wird in der Natur durch sinkende Temperaturen, sowie erhöhte Feuchtigkeit automatisch in Gang gesetzt.

Um als Hobbygärtner, ungeachtet der momentanen Jahreszeit,
diesen Prozess unter sehr kontrollierten Bedingungen durchzuführen
beziehungsweise nachzuahmen, ist die Stratifikation im Kühlschrank die
gängigste Methode. Die Temperatur wenige Grad über Null ist hierfür bereits perfekt
und es muss nur noch für die nötige Feuchtigkeit Sorge getragen werden. Am
besten vermischt man hierfür etwas feuchtes (keinesfalls nasses) Substrat mit
dem Saatgut und platziert dieses anschließend im Kühlschrank für 4-6 Wochen. Wenige
Arten benötigen eine deutlich längere Stratifikation, in diesem Falle wäre dies
explizit in der Artikelbeschreibung erwähnt.
Für eine erfolgreiche Stratifikation ist es wichtig, dass
die Feuchtigkeit konstant bleibt. Ein Erde / Saatgut Gemisch in einem offenen
Behältnis trocknet auch im Kühlschrank zügig aus. Ich bevorzuge daher die
Verwendung eines verschließbaren Behältnisses, wie beispielsweise einem
Marmeladenglas, eines Zip-Beutels etc…
Nach dem Ende der Stratifikation wird das Saatgut aus dem
Kühlschrank entnommen und bei Zimmertemperatur ausgesät und konstant feucht
gehalten bis die Keimung erfolgt.
Als Faustregel zur Aussaattiefe gilt: Samendurchmesser mal
drei.
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